Es ist wie früher. Ich stehe an der Bushaltestelle. An der S-Bahn. Gehe an Schaufenstern vorbei. Überall schaut mit ein Mädchen entgegen, was sich in den Schaufenstern mustert. Sie findet sich dick, hässlich. Fühlt sich alleine gelassen. Es gibt keinen Ort, wo sie sich noch wohl fühlt. Weder zuhause, noch bei Freunden. Nicht einmal mehr im Stall.
Es gibt keinen Ort mehr, an dem ich alles loswerden kann. Ich mache alles falsch. Rede ich über das, was mir "Spaß" macht, wobei Spaß auch ein relativer Begriff ist, werde ich als Luxuszicke beschimpft, sage ich mal meine Meinung ist es auch wieder falsch. Alles was ich mache ist falsch. Ich bin falsch. Nicht gut genug. Nicht stark genug. Aber die Menschen denken wohl, ich müsse das schon aushalten. Sie sehen nicht, wie sie mich im Inneren zerreißen, wie ihre Reaktionen, Aussagen, Meinungen mich kränken.
Sei es meine Mama, die zum 100. Mal irgendwas von mir will. Hier muss ich die Küche aufräumen, da muss ich die Wäsche waschen. Dann muss ich mit dem Hund gehen, bügeln, den Keller aufräumen, Handwerker reinlassen. Und selbstverständlich nebenbei noch mindestens 3x die Woche arbeiten, 3x die Woche das Pferd und dann wird natürlich erwarten, dass ich ein 1,xx Abi schreibe.
Ja, also. Ich bin schon die gesamte Woche "krank". Also anfangs war ich wirklich krank, gegen Ende konnte ich mich aber einfach nicht aufraffen. Ich kann einfach nicht mehr.
Ich habe den gesamten Urlaub mit Schulkram verbracht und wenn es nicht darum ging, dann durfte ich mich entweder mit M. (Besitzerin meiner RB) streiten oder ich musste mir von ihr irgendwelche Sachen anhören. Freitag hatte das Pony dicke Lymphknoten, seitlich am Kopf, Samstag hatte sie Fieber. Am Sonntag war das Fieber weg und M. ist direkt wieder geritten. Mittwoch war das Pony lahm, Donnerstag ist M. trotzdem gesprungen. Und ich kann da nur tatenlos zusehen, zumal jede Kleinigkeit zu Diskussionen führt, aber auch nur, wenn wir schreiben -.-
Es ist einfach so, dass ich niemanden zum Reden habe. Niemand nimmt mich in den Arm. Niemand hört mir zu, fragt einmal von sich aus, wie es mir geht. Manchmal wünschte ich mir einfach, endlich zu meinem Papi zu kommen.. Ihr wisst ja, wo der jetzt ist.
Aber so wie es sowieso aussieht, wird das in den nächsten 60 Jahren erst mal nix. Ich vermisse meinen Papa so. Ich konnte das so lange Zeit so gut verdrängen, von mir weg schieben, wieso auf einmal nicht mehr? Wieso bin ich so schwach? Dabei muss ich doch stark sein. Immerhin einer in dieser Familie. Ich muss die starke Persönlichkeit sein, die, die alles hinbekommt, schafft, macht. Solange es den anderen gut geht, sind meine Aufgaben erfüllt.
Und während ich all das hier schreibe, kommt mir alles so sinnlos vor. Wieso schreib ich das alles auf? Es stößt doch eh nur wieder auf Kritik. Überall wo ich bin, wird irgendwas bemängelt. Ich bin einfach nie gut genug. Und werde es auch nie sein.